Benennung von Schulen: Ein Ausweis der Demokratie

Ein Text von Ingmar Wichert

Der Name der eigenen Schule kann für SchülerInnen ein Anlass sein, sich mit historischen und politischen Themen zu beschäftigen. „Wer war eigentlich Sophie Scholl und warum heißt meine Schule so?“ Hier bietet sich ein Anreiz, sich mit der Geschichte des Widerstandes gegen die Gewalt- und Willkürherrschaft des Nationalsozialismus zu befassen.

Aus der Auseinandersetzung mit Geschichte kann dann der Wunsch erwachsen, sich mit den aktuellen rechtsextremen Bestrebungen in unserer Gesellschaft zu befassen und sich diesen aktiv entgegen zu setzen. Was will eine Schule in einem freiheitlich-demokratischen Staat mehr, als dass sich SchülerInnen mit Geschichte auseinander setzen und selbst zu mündigen BürgerInnen werden?

Doch leider ist es um die Namen von Schulen in der Bundesrepublik Deutschland zum Teil schlecht bestellt. Sie sind nicht alle nach deutschen Poeten wie Friedrich Schiller, nach ruhmreichen Physikern wie Albert Einstein oder nach ehemaligen Kanzlern wie Willy Brandt benannt.

Unfassbar ist es, wenn Schulen immer noch Namen von Personen tragen, welche sich als Ideologen der NS-Diktatur betätigt haben. Das Satiremagazin des NDR extra-3 hat eine Karte erstellt, welche in gewohnt höhnischer Weise „Deutschlands schönste Schulnamen“ auflistet. Da findet sich z. B. ein „Wernher von Braun Gymnasium“ in Bayern.

Auch für Nordrhein-Westfalen finden sich Einträge, die Anlass zu Bedenken geben. Mehrere Schulen in NRW sind nach dem Pädagogen Peter Petersen benannt worden. Petersen gilt gemeinhin als Reformpädagoge. Er gab eindeutig antisemitische Thesen aus und nach Gründung der BRD vertrat er die Auffassung, dass das deutsche Volk rassisch vergiftet worden sei. Ein Blick in die „Geschichte der Erziehung. Einführung in die Grundzüge ihrer neuzeitlichen Entwicklung“ – einem Standardwerk der Erziehungswissenschaft von Heinz-Elmar Tenorth – verdeutlicht die Brisanz eines solchen Schulnamens:

„Dabei ist inzwischen bewiesen, bezogen auf die Person Petersens, ganz unbestritten, dass er sich in opportunistischer Weise den NS-Machthabern als pädagogischer Ideengeber anbietet [...]; unbestritten ist auch, dass seine eigene Philosophie des Volkes und seine Ideologie der Gemeinschaft ihn dazu inspiriert haben, diese Gleichsetzung eigener Ideen mit der NS-Ideologie zu begründen.“ (Tenorth, 4. Aufl., 2008, S. 238)

Im Jahr 2010, also 65 Jahre nach der Befreiung Europas vom Faschismus, gibt es immer noch Schulen, die nach einem Antisemiten und Parteigänger der Nationalsozialisten benannt sind. Das ist in mehrfacher Hinsicht ein unhaltbarer Zustand. Schulen sind ein Ausweis der Demokratie vor Ort, ihr Profil ist das Profil der Kommunen und der Name sollte Anlass zur Identifikation für LehrerInnen und Schülerinnen mit der Schule sein.

Es ist an der Zeit, diese Schulen neu zu benennen. Warum werden die SchülerInnen nicht ermutigt einen Namen selbst zu finden, der ihr demokratisches Engagement fördert und sie persönlich anspricht? Warum denken kommunale Schulträger nicht darüber nach, wie ihr Ausweis der Demokratie tituliert ist?

Ingmar Wichert, 25 Jahre alt, ist Mitglied des Rates der Stadt Witten und des Kreistages des Ennepe-Ruhr-Kreises. Er studiert Geschichte und Germanistik  im Master of Education an der Ruhr-Uni Bochum. Seine politischen Schwerpunkte sind neben der Kommunalpolitik die Hochschul- und Bildungspolitik.

Eine Antwort zu “Benennung von Schulen: Ein Ausweis der Demokratie”

  1. Kata sagt:

    Ein Jammer, dass es solche Namen immer noch gibt. Und nicht nur für Schulen, sondern auch andere staatliche Einrichtungen. Stimme dem Autor absolut zu, dass sich das ändern muss.

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