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Unterrichtung der Landesregierung zu den Ergebnisse der Länderchef*innen mit der Bundeskanzlerin am 11.02.21

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“Kinder und Jugendliche müssen in dieser Krise absolute Priorität haben”

Zur Unterrichtung der Landesregierung zu den Ergebnisse der Länderchef*innen mit der Bundeskanzlerin am 11.02.21

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Verena Schäffer (GRÜNE): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass wir heute Morgen auf dem Weg zur Kita oder in die Notbetreuung der Schule fröhliche verkleidete Kinder – ich habe einen kleinen Tiger gesehen; mein Sohn ist als Frosch verkleidet, meine Tochter als Fee – gesehen haben, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Krise für Kinder und Jugendliche extrem belastend ist.

Die gestern vorgestellte Studie des Universitätsklinikums Hamburg zur psychischen Gesund­heit von Kindern in der Pandemie ist absolut alarmierend. Vier von fünf Kindern empfinden die Pandemie subjektiv als äußerst belastend. Sieben von zehn Kindern geben eine gemin­derte Lebensqualität an. Drei von zehn Kindern leiden unter psychischen Auffälligkeiten.

Ich bin deshalb wirklich erleichtert, dass wir inzwischen politischen Konsens darüber haben, dass Kinder und Jugendliche in dieser Krise absolute Priorität haben müssen – übrigens an­ders als noch im Frühjahr, als in Nordrhein-Westfalen die Möbelhäuser noch vor den Spiel­plätzen geöffnet wurden.

Wenn die Inzidenzwerte jetzt Lockerungen zulassen, ist meines Erachtens völlig klar, dass das zugunsten von Kindern und Jugendlichen stattfinden muss – oder, anders ausgedrückt, dass wir Erwachsene uns noch länger gedulden müssen. Das sind wir den Kleinsten und den Kleinen in unserer Gesellschaft schuldig, finde ich.

(Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der SPD)

Dass für die Schulen keine bundesweit einheitlichen Regelungen gefunden wurden, kann man bedauern. Aber klar ist auch, dass Schule in unserem föderalen System nun einmal in der Hoheit der Länder liegt.

Klar ist aber auch, dass mit diesem MPK-Beschluss die Verantwortung dafür, dass Infektions­schutz und Bildungsgerechtigkeit wirklich in Einklang gebracht werden, eindeutig bei der Schulministerin liegt. Hinter den Beschlüssen der MPK oder der KMK kann sich diese Lan­desregierung in Sachen „Schulen und Kitas“ nicht mehr verstecken.

(Beifall von den GRÜNEN)

Den Schritt, jetzt zuerst die Grundschulen in Wechselmodelle zu schicken, finden wir Grüne ausdrücklich richtig. Die Kinder haben ihre Schulen seit inzwischen zwei Monaten nicht mehr betreten. Bildungsexpertinnen und -experten weisen uns zu Recht darauf hin, dass dieser Zustand Bildungsungerechtigkeiten produziert, die nur ganz schwer wieder aufzuholen sind.

Wenn wir über Wechselmodelle sprechen, ist die Planungssicherheit für die Schulen und auch für die Schulträger das Gebot der Stunde. Das sind auch die Rückmeldungen, die wir aus den Kommunen bekommen. Denn natürlich sind Wechselmodelle aufwendig. Da geht es auch um Räume und mehr Personal.

Deshalb können wir nicht mit Wechselmodellen für vielleicht zwei oder drei Wochen planen. Vielmehr muss es da um längere Zeiträume gehen – aus unserer Sicht um mindestens bis Ostern angelegte Wechselmodelle für die Grundschulen, für kleine und feste Lerngruppen, für versetzten Unterricht, für zusätzliche Räume und für zusätzliche Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter.

Das können neben den Lehramtsstudierenden zum Beispiel auch die Nachhilfeinstitute sein, die sich in einem offenen Brief an die Politik gewandt haben. In der Tat brauchen wir eine Bildungsoffensive, in der jetzt alle Kräfte zusammengebunden werden müssen.

Frau Gebauer, nutzen Sie doch diese Ressourcen, damit die Wechselmodelle zu einem ech­ten Erfolgsmodell im Sinne der Kinder und auch der Lehrerinnen und Lehrer in dieser Krise werden.

(Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der SPD)

In dem nächsten Schritt stehen dann die weiterführenden Schulen an. Aus unserer Sicht kann auch bei den weiterführenden Schulen der nächste Schritt nur sein, in den Wechselunterricht zu gehen. Regulärer Präsenzunterricht mit vollen Klassen ist für uns in dieser Infektionslage nicht vorstellbar.

(Beifall von Matthi Bolte-Richter [GRÜNE] und Monika Düker [GRÜNE])

Ich befürchte ein Stück weit, dass die Schulministerin keine verlässlichen Pläne für die weite­ren Schulen aus der Schublade ziehen kann, die darüber hinausgehen, nur die Abschluss­jahrgänge wieder in die Schulen zu schicken. Es ist sehr bedauerlich, dass es diese Pläne nicht gibt. Aber vielleicht überraschen Sie uns ja gleich noch.

Wir haben in den letzten Monaten ganz viele Zeiten und Ferien der verpassten Chancen er­lebt. Das betrifft nicht nur das versenkte Ferienprogramm. Es wäre ausreichend Zeit gewesen, die Vorbereitungen zu treffen.

(Beifall von den GRÜNEN)

Frau Gebauer, Herr Kutschaty hat schon angekündigt, dass Sie heute um 16 Uhr eine Pres­sekonferenz haben. Wir Grüne erwarten von Ihnen, dass Sie uns gleich hier in dieser Debatte im Parlament über Ihre Pläne unterrichten. Als Abgeordnete, als Parlamentarierin muss ich ganz deutlich sagen: Es kann nicht sein, dass Sie 30 Minuten nach dem Ende des Plenums vor die Presse treten. Sie sind dem Parlament gegenüber rechenschaftspflichtig. Deshalb erwarten wir von Ihnen – vielleicht überraschen Sie uns ja gleich; bislang haben Sie in Unter­richtungen noch nicht zu uns gesprochen –, dass Sie hier, heute und jetzt in dieser Diskussion gleich Klarheit über die geplanten Schritte zur Öffnung der Schulen schaffen.

(Beifall von den GRÜNEN, Thomas Kutschaty [SPD] und Eva-Maria Voigt-Küppers [SPD] – Zuruf von Armin Laschet, Ministerpräsident)

– Haben Sie schon gemacht, Herr Laschet? Wenn das die Pläne für die Schulen sind, dann gute Nacht für die Schulen!

(Beifall von den GRÜNEN)

Das ist hoffentlich nicht Ihr Ernst. – Ich hoffe, dass die Schulministerin hier gleich ihre Pläne verkündet und das nicht nur gegenüber der Presse macht, sondern sie hier auch zur Debatte stellt.

(Sarah Philipp [SPD]: Das wäre ja mal was!)

Herr Laschet, weil Sie mich aber schon angesprochen haben, können Sie mir vielleicht direkt einen Widerspruch in Bezug auf die Inzidenzwerte erklären. Denn dabei handelt es sich nicht nur um einen Widerspruch, sondern dort gibt auch einen Erklärungsbedarf gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern.

Bislang haben wir immer einen Inzidenzwert von 50 forciert. Jetzt gehen wir beim Einzelhan­del auf einen Wert von 35. Ich finde das sogar schlüssig; dazu komme ich gleich noch. Gleich­zeitig sagte aber Frau Gebauer gestern in der Pressekonferenz, dass der nächste Schritt bei den weiterführenden Schulen bei einem Inzidenzwert von 50 erfolgt. Was denn jetzt?

Meines Erachtens brauchen wir in der Kommunikation einen klaren Wert – 35 oder 50. Ich finde es sogar richtig, auf die 35 zu gehen, weil wir von der Mutation ausgehen müssen. Wir wissen, dass sich die Mutationen weiterverbreiten. Es ist ja nicht nur eine. Sie haben vorhin immer von der einen Mutation gesprochen. Aber wir haben derzeit mehrere Mutationen, von denen wir wissen, dass sie sich ausbreiten.

Deshalb halte ich den Wert von 35 für die Öffnung des Einzelhandels sogar für nachvollzieh­bar, weil wir alles daransetzen müssen, eine dritte Welle zu verhindern.

Die Politik ist aber gefordert, das klar zu kommunizieren und klar zu erklären, damit keine Missverständnisse entstehen und man im Übrigen auch das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger nicht verspielt.

(Beifall von den GRÜNEN – Zuruf von Armin Laschet, Ministerpräsident)

Noch kurz zu den Mutationen: Wir müssen inzwischen mehrere Kurven und R-Werte im Blick behalten. Es geht nicht mehr nur um das Virus von 2020, sondern auch um die Mutationen. Wir wissen, dass der R-Wert des Virus von 2020 stark gesunken ist. Wir wissen aber auch, dass sich die Mutationen gerade in einem exponentiellen Wachstum befinden. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir mehr Sequenzierungen vornehmen.

Baden-Württemberg – das haben uns die Kolleginnen und Kollegen von dort bestätigt – macht es uns vor. In Baden-Württemberg hat man ein Netzwerk aus Universitätskliniken und priva­ten Laboren gesponnen. Dort gibt es ein landesweites Netz. Jeder positive Coronatest wird inzwischen sequenziert. Nicht nur auf die bekannten Mutationen, sondern auch auf mögliche neue Mutationen wird in Baden-Württemberg untersucht. Das finde ich absolut richtig.

Herr Laumann, wir erwarten auch für Nordrhein-Westfalen, dass jeder positive Test sequen-ziert wird, damit wir ein realistisches Bild über die Ausbreitung der Mutationen bekommen.

(Beifall von den GRÜNEN)

Zurück zum Thema „Inzidenzwert“: Ich finde es ein Stück weit befremdlich, auch angesichts der Mutationen, angesichts des MPK-Beschlusses von gestern, wenn ich auf Twitter sehe – normalerweise bereitet ja Herr Löttgen seine Plenarreden mit der Sichtung von Tweets vor; heute mache ich das mal –, Herr Pinkwart, dass ausgerechnet ein Minister dieser Koalition Tweets likt, in denen der Inzidenzwert von 35 infrage gestellt wird.

Selbstverständlich darf man in einer Demokratie darüber diskutieren, welche Inzidenzwerte man bei einem Öffnungsschritt für den Einzelhandel anlegen sollte. Aber für mich ist das wie­der einmal ein Beleg dafür, dass es in dieser Koalition kein abgestimmtes Konzept gibt, keine Linie für den Umgang mit der Pandemie, keine einheitliche Kommunikation. Das finde ich fatal. Das ist das Gegenteil von Vertrauen-Schaffen. Sie brauchen endlich eine abgestimmte Kommunikation, um auch die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen.

(Beifall von den GRÜNEN – Zuruf von Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirt­schaft, Innovation, Digitalisierung und Energie)

– Herr Pinkwart, Sie können gerne gleich noch etwas dazu sagen. Die Plenardebatte ist ja auch dafür gedacht, dass wir ins Gespräch kommen und diskutieren.

Zum Thema „Wirtschaftshilfen“: Der erste Öffnungsschritt für den Einzelhandel, für die Mu­seen, für die Galerien ist immerhin ein kleiner Lichtblick. Aber das reicht nicht aus. Von Luft und von Lichtblicken allein kann kein Solo-Selbstständiger, kein Kulturschaffender leben. Dass die Überbrückungshilfe III erst seit gestern beantragt werden kann, dass ein Großteil des Geldes der November- und Dezemberhilfen immer noch nicht angekommen ist, ist ein absolutes Armutszeugnis für die Bundesregierung. Das Geld muss jetzt kommen. Es muss dringend kommen. Es muss zügig kommen. Es muss auskömmlich sein. Es muss auch un­bürokratisch erfolgen.

(Beifall von den GRÜNEN)

An einem Punkt, Herr Laschet, muss ich Ihnen widersprechen. Das betrifft die Stufenpläne. Ich bleibe dabei, Herr Laschet, dass Stufenpläne wichtig wären, um Verlässlichkeit und Plan-barkeit zu schaffen. Uns reicht das Auf-Sicht-Fahren nicht. Denn wer auf Sicht fährt, der sto­chert im Nebel. Das können wir hier nicht gebrauchen.

Die MPK hat sogar gesagt, dass man eine Öffnungsstrategie erarbeiten will. Aber eine Öff­nungsstrategie ist doch viel zu wenig und aus meiner Sicht auch der falsche Ansatz.

Ein Stufenplan hingegen, in dem es nicht nur um Öffnungen geht, sondern in dem es auch darum geht, klar festzulegen, ab welchem Inzidenzwert – man müsste eigentlich noch weitere Parameter hinzunehmen – wo gelockert werden kann, und in dem gleichzeitig dargelegt wird, dass Dinge wieder zurückgenommen werden müssen und wo es erneut Verschärfungen ge­ben muss, wenn die Zahlen steigen, bietet Planbarkeit und Verlässlichkeit. Dass das bevöl­kerungsreichste Bundesland mit einem Ministerpräsidenten an der Spitze, der auch Bundes­vorsitzender der CDU ist, es nicht schafft, einen eigenen Plan vorzulegen, ist wirklich eine verpasste Chance. Das finde ich sehr schade.

(Beifall von den GRÜNEN)

Herr Laschet, wenn Sie Ihre Rolle als CDU-Bundesvorsitzender als moderierend begreifen, dann hat sich das Parlament da gar nicht einzumischen. Aber von Ihnen als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen erwarten wir, dass Sie eine gestaltende Rolle in dieser Krise über­nehmen. Dazu gehört die Ausarbeitung von konkreten Plänen, die Verlässlichkeit, Planbarkeit und auch Vertrauen in politische Maßnahmen schaffen. – Vielen Dank.

(Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der SPD – Josef Hovenjürgen [CDU]: Das Virus ist nicht planbar, Frau Schäffer!)

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Entwurf der Fraktionen von CDU und FDP „Gesetz zur parlamentarischen Absicherung der Rechtsetzung in der COVID-19-Pandemie“

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Zum Gesetz zur parlamentarischen Absicherung der Rechtsetzung in der COVID-19-Pandemie

Rede zum Entwurf der Fraktionen von CDU und FDP „Gesetz zur parlamentarischen Absicherung der Rechtsetzung in der COVID-19-Pandemie“

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Verena Schäffer (GRÜNE): Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich diese Debatte bisher nicht wirklich hilfreich gefunden habe. Jetzt müssen alle wieder von ihrem Pavianhügel herunterkommen. Dann können wir noch einmal darüber sprechen.

(Beifall von den GRÜNEN)

Denn das Anliegen teilen wir aus meiner Sicht.

Das Anliegen ist doch, dass wir das Parlament in dieser Krise stärken. Denn das Parlament ist der Ort, an dem die zentralen Debatten über diese Herausforderungen geführt werden müssen. Das gilt insbesondere in einer Krisenzeit.

Es geht hier nicht nur um die Debatte. Die Debatte haben wir ja schon gestärkt. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass wir die Unterrichtung durch die Landesregierung brauchen und die Diskussionen darüber brauchen. Das haben wir inzwischen auch erreicht.

Ich finde aber, dass man Selbstverständlichkeiten eigentlich nicht ins Gesetz zu schreiben braucht. Das ist der erste Punkt. Man kann es hineinschreiben. Es ändert nur nicht viel. Wir werden die Debatte hier auch weiterhin immer wieder einfordern.

Aber der Landtag ist nicht nur der Ort der Debatte. Der Landtag ist auch der Ort der Legislative, der Ort der Gesetzgebung und der Ort der Kontrolle der Landesregierung. Dazu gehören selbstverständlich auch die Entscheidungen über die Coronaschutzmaßnahmen.

Wenn man einmal Revue passieren lässt, welche Maßnahmen in der Vergangenheit getroffen wurden – Quarantänemaßnahmen für die Arbeiter bei Tönnies oder die Einführung des Bewegungsradius –, wird auch noch einmal sehr deutlich, dass wir über Grundrechtseingriffe sprechen, die derzeit allein von der Exekutive beschlossen werden. Ich finde, dass die Entscheidungen hierüber in das Parlament gehören. Diese Entscheidungen müssen eigentlich hier getroffen werden – und nicht allein von der Landesregierung.

(Beifall von Josefine Paul [GRÜNE])

Deshalb noch einmal: Ich begrüße es, wenn CDU und FDP hier sagen, dass wir mehr Parlamentsbeteiligung brauchen. Wir stehen als Grüne bereit. Wir haben zum Telefonhörer gegriffen, als uns aufgefallen ist, dass mit dem Entwurf etwas nicht stimmt. Das ist inzwischen auch behoben worden.

Allerdings – das will ich auch sagen – finde ich das Verfahren hier extrem unglücklich. Die Debatte hat es gerade auch noch einmal gezeigt. Es wäre besser gewesen, wenn Sie vor dem Gesetzentwurf auf uns zugekommen wären und wir die Diskussion darüber vorher geführt hätten.

(Beifall von den GRÜNEN)

Zum Inhalt: Die wesentliche Änderung – das wurde ja gerade schon vorgestellt –, die Sie hier vornehmen wollen, sind die pandemischen Leitlinien. Sie wollen, dass der Landtag Leitlinien beschließt, die dann von der Landesregierung berücksichtigt werden müssen. Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Das ist mir als Abgeordneter zu wenig. Denn ich erwarte doch als Abgeordnete, dass die Landesregierung das Parlament und die hier im Parlament geführten Debatten so ernst nimmt, dass sie auch heute schon die Diskussionen, die wir hier im Plenum, aber auch in den Ausschüssen führen, in ihre Entscheidungsfindungsprozesse einbezieht und berücksichtigt.

(Beifall von den GRÜNEN)

Insofern sehe ich den Mehrwert Ihrer Leitlinien nicht. Meines Erachtens ist das auch überhaupt kein Grund für eine derartige Selbstbeweihräucherung, wie wir sie hier gehört haben.

Eine echte parlamentarische Beteiligung würde bedeuten, dass es einen Zustimmungsvorbehalt zu den Coronaschutzverordnungen und zu den Rechtsverordnungen gibt, sodass wir eine Entscheidungshoheit darüber haben. Dann müsste nämlich zum Beispiel auch die Entscheidung, ob wir einen Bewegungsradius einführen wollen oder nicht, hier im Parlament getroffen werden.

(Beifall von den GRÜNEN)

Hier ist der richtige Ort, um diese Entscheidung zu treffen, finde ich. Es geht nicht darum, dass wir die Rechtsverordnung im Detail ausarbeiten. Nein, „Zustimmungsvorbehalt“ bedeutet, dass die Regierung eine Verordnung vorlegt und das Parlament darüber entscheidet, ob diese Verordnung so in Kraft tritt oder nicht.

Wie Sie sehen, haben wir hier noch einiges zu diskutieren. Lassen Sie uns in die Diskussion eintreten. Wir Grüne stehen sehr konstruktiv zur Verfügung.

Denn es geht nicht nur um das Selbstverständnis des Parlaments. Natürlich wollen wir als Parlament, dass die Diskussionen hier geführt werden und die Entscheidungen hier getroffen werden. Aber es geht auch noch um einen zweiten Aspekt. Es geht darum, dass die öffentliche und transparente Debatte darüber, welche Verordnungen erlassen werden und welche Schutzmaßnahmen getroffen werden, hier ins Parlament gehört, weil das auch das Vertrauen in den demokratischen Rechtsstaat und die Akzeptanz für solche einschneidenden Maßnahmen in der Bevölkerung fördert und erhöht.

Mein Appell an die Fraktionen lautet: Wir sollten uns zusammenreißen. Lassen Sie uns gemeinsam an sinnvollen und wirksamen Maßnahmen zur Parlamentsbeteiligung arbeiten. Ich hoffe, dass wir dann gemeinsam etwas Gutes auf den Weg bringen. – Vielen Dank.

(Beifall von den GRÜNEN)

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“Krisensituationen machen Menschen besonders anfällig für Verschwörungsmythen”

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Zu Verschwörungsmythen

Rede zum Antrag der GRÜNEN im Landtag zu Verschwörungsmythen

[/et_pb_text][/et_pb_column][/et_pb_row][/et_pb_section][et_pb_section fb_built=“1″ admin_label=“section“ _builder_version=“4.4.3″ custom_margin=“0px||||false|false“ custom_padding=“0px|||||“][et_pb_row admin_label=“row“ _builder_version=“3.25″ background_size=“initial“ background_position=“top_left“ background_repeat=“repeat“][et_pb_column type=“4_4″ _builder_version=“3.25″ custom_padding=“|||“ custom_padding__hover=“|||“][et_pb_text admin_label=“Text“ _builder_version=“4.7.7″ background_size=“initial“ background_position=“top_left“ background_repeat=“repeat“]

Verena Schäffer (GRÜNE): Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir erleben in der aktuellen Coronapandemie, dass Verschwörungsmythen eine deutliche Verbreitung finden. Ich stimme Frau Freimuth zu: Verschwörungsmythen sind keine neue Erscheinung. Die Kollegin Müller-Witt hat eben schon die Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zitiert. Dort wurde für die Jahre 2018 und 2019 erhoben, dass 46 % der Befragten angaben, es gebe geheime Organisationen, die Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen würden.

Lange Zeit – das hat auch Herr Golland gesagt – wurden Personen, die an Verschwörungsmythen glauben, als Spinner abgetan. Aber wir wissen, dass Verschwörungsmythen gefährlich sind. Sie zerstören das Vertrauen in staatliche Institutionen. Sie sind nicht immer – da gebe ich Ihnen sogar recht, Herr Golland –, aber sie sind häufig mit rechten Einstellungen verbunden.

(Kopfnicken von Gregor Golland [CDU])

Verschwörungserzählungen und rechtsextreme Ideologien sind gegenseitig anschlussfähig. Antisemitische, antifeministische und andere menschenverachtende Erzählungen finden sich häufig wieder in Verschwörungserzählungen.

Deshalb überrascht es nicht, dass die rechtsterroristischen Taten in Halle, in Hanau, aber auch in Christchurch oder in Utøya auch getrieben waren durch den Glauben an solche Verschwörungsmythen.

Deshalb, Herr Golland, bin ich doch sehr fassungslos über die politische Einordnung, die Sie hier eben vorgenommen haben.

(Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der SPD)

Wir wissen, dass Krisensituationen Menschen besonders anfällig machen für Verschwörungsmythen, denn diese Verschwörungserzählungen sind ja ein Versuch, wieder Kontrolle über eine Situation zu erlangen.

Katharina Nocun, die Autorin des Buches „Fake Facts“, sagt – Zitat –:

„Der Glaube an eine Verschwörung kann ein Hilfskonstrukt sein, um Ordnung in das Chaos zu bringen.“

Der Glaube an Geheimwissen dient der Selbstaufwertung.

Das sind alles Faktoren, weshalb Verschwörungsmythen gerade in einer Krise Hochkonjunktur erleben.

Ich glaube, wir sind uns hier einig, dass wir uns auch Monate und Jahre nach der Pandemie, wenn diese hoffentlich irgendwann zu Ende ist, immer noch mit diesem Phänomen der Verschwörungsmythen auseinandersetzen müssen.

Wer sich ganz konkret und alltäglich immer wieder mit Verschwörungsmythen konfrontiert sieht, das sind Angehörige oder Freunde und Freundinnen von Personen, die an diese Verschwörungsmythen glauben. Das sind genau diese Angehörigen und Bekannten, die aktuell versuchen, sich Hilfe zu holen, die Beratung brauchen, wie sie mit der eigenen Mutter oder mit dem Freund umgehen sollen, wenn sich diese nur noch Videos und Nachrichten von Verschwörungstheoretikern anschauen oder versuchen, andere Menschen zu „bekehren“, indem sie zum Beispiel sagen, dass man keine Maske tragen soll und dass sich ältere Angehörige nicht impfen lassen sollen.

Wir haben mit der Sektenberatung NRW gesprochen, die selbst sagt, dass sie momentan ein Vierfaches an Anfragen von Hilfesuchenden bekommt, die Unterstützung brauchen, wie sie ganz konkret mit solchen alltäglichen Situationen zu Hause, in der eigenen Familie oder in ihrem Bekanntenkreis umgehen sollen. Die Sektenberatung sagt aber auch, dass zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme der Glaube an Verschwörungsmythen häufig schon sehr weit vorangeschritten ist.

Deshalb fordern wir mit diesem Antrag, dass die Landesregierung gemeinsam mit den Fachstellen ein Konzept erarbeitet, damit dieses persönliche Umfeld im Umgang mit dem Thema „Verschwörungsmythen“ gestärkt wird, und zwar auch – davon bin ich fest überzeugt –, weil das vermutlich diejenigen sind, die aufgrund ihrer persönlichen Beziehung am ehesten noch etwas bewegen können.

Dass CDU und FDP sich jetzt diesem Antrag nicht anschließen können, finde ich persönlich sehr bedauerlich. Mich hat es aber auch nicht sehr gewundert. Es ist trotzdem schade. Denn das, was Sie sagen, es würde schon ganz viele Beratungsangebote geben, stimmt so einfach nicht. Es gibt die Beratungsangebote in dieser Form einfach nicht.

Das ist ausdrücklich keine Kritik an der Landesregierung oder an der Landeszentrale für politische Bildung, die auch schon ganz viel tut. Aber ich meine, dass wir hier einen Baustein haben, der bislang noch fehlt in der Beratungslandschaft in Nordrhein-Westfalen. Denn, ja, es gibt die Sektenberatung, es gibt auch die mobile Beratung gegen Rechtsextremismus. Nach der Logik von Herrn Golland sind die übrigens gar nicht zuständig. Natürlich gibt es diese Beratungsstellen. Aber ein explizites Angebot zur Beratung des Umfeldes von Menschen, die Verschwörungsmythen anhängen und sich immer weiter von demokratischen Haltungen entfernen, gibt es derzeit nicht.

Hier setzt unser Antrag an. Ich finde es schade, dass Sie ihn ablehnen wollen.

Ich habe aber trotzdem eine Bitte an Sie. Bei Herrn Golland ist die Bitte, glaube ich, vergebens.

(Gregor Golland [CDU]: Frau Schäffer!)

Aber, Herr Kaiser und liebe Landesregierung, ich würde Sie bitten, weil ich glaube, dass Sie dieses Thema im Blick haben – das finde ich richtig, und es wird auch nach der Pandemie wichtig bleiben –: Bitte nehmen Sie den Gedanken trotzdem mit. Führen Sie doch einfach die Gespräche mit den Beratungsstellen, und horchen Sie da mal nach, ob es nicht eine Lücke im Beratungssystem gibt. Setzen Sie das doch einfach um.

Ich sage Ihnen auch zu, dass wir nicht auf der Urheberschaft für diese Idee beharren werden. Machen Sie es einfach. – Vielen Dank.

(Beifall von den GRÜNEN)

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Entwurf der Landesregierung zur Änderung des Landeswahlgesetzes – zweite Lesung

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Zur Änderung des Landeswahlgesetzes

Rede zum Entwurf der Landesregierung zur Änderung des Landeswahlgesetzes – zweite Lesung

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Verena Schäffer (GRÜNE): Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die allgemeine, unmittelbare, freie, gleiche und geheime Wahl der Abgeordneten ist ein absolut wichtiger Grundpfeiler unserer Demokratie. Deshalb ist das Landeswahlgesetz auch eines der herausragenden Gesetze, die wir hier im Parlament diskutieren und über die wir beschließen. Deshalb ist es zu Recht eine Tradition – es sollte zumindest eine Tradition sein –, dass das Landeswahlgesetz möglichst interfraktionell beraten und auch gemeinsam hier beschlossen wird.

(Beifall von den GRÜNEN)

Änderungen an den Zuschnitten der Landtagswahlkreise wurden in der Vergangenheit oftmals im breiten Konsens oder mit einer breiten Mehrheit der demokratischen Fraktionen vorgenommen. Ich glaube auch, dass es für die Akzeptanz vor Ort besonders wichtig ist, wie Wahlkreise zugeschnitten werden.

Auch ich muss hier noch einmal eine Verfahrenskritik üben. In diesem Verfahren ist wirklich so ziemlich alles schiefgelaufen, finde ich. Der Entwurf der Landesregierung kam viel zu spät, um in einem geordneten Prozess über Änderungsbedarfe an den Wahlkreiszuschnitten zu diskutieren und Einigungen zu finden, und auch viel zu spät, um über die Frage zu diskutieren: Wie gehen wir mit den Aufstellungsversammlungen in einer Pandemiesituation um?

Die sehr gute Anhörung, die wir im Hautpausschuss hatten, fand in einer Sondersitzung statt. Eigentlich sollte sie erst am kommenden Donnerstag stattfinden – bis dann aufgefallen ist, dass das alles viel zu spät ist, dass wir die Sondersitzung brauchen und dass wir in dieser Plenarsitzung beschließen müssen.

(Sven Wolf [SPD]: Ein Dankeschön an die Opposition war nicht zu hören!)

Auch hier sieht man, dass das Innenministerium den Fahrplan offenbar nicht richtig auf dem Schirm hatte. Warum das so passiert ist, ist mir, ehrlich gesagt, völlig unverständlich.

Frau Freimuth, Sie haben gerade erklärt, Sie hätten sich nicht mit dem Änderungsantrag der Grünen auseinandersetzen können. Ja, okay. Aber dann muss ich ehrlich sagen: Es gehört auch nicht gerade zum guten Stil, wenn man eine Stunde vor Beginn einer Anhörung einen Änderungsantrag seitens der Regierungsfraktionen vorlegt und wir als Opposition überhaupt keine Zeit hatten, uns diese Dinge einmal ordentlich anzuschauen.

Insofern finde ich diese Kritik, ehrlich gesagt, verfehlt. Wir hätten insgesamt hier viel mehr Zeit gebraucht. Es ist schade, dass wir sie bei diesem wichtigen Gesetz nicht hatten.

(Beifall von den GRÜNEN)

Ich möchte gerne noch einmal inhaltlich auf einige Punkte in diesem Gesetzentwurf hinweisen. Ich finde es nachvollziehbar und auch richtig, über das Thema „Aufstellungsversammlung in der Situation einer Pandemie“ zu diskutieren. Wir wissen zwar, dass uns die Pandemie in den nächsten Wochen und Monaten begleiten wird. Wir wissen aber nicht, welche Auswirkungen diese Pandemie in Bezug auf physische Versammlungen haben wird, inwiefern wir sie durchführen können oder wie erschwert sie nur durchführen können.

Die Regelungen, die jetzt hier im Gesetzentwurf stehen, sind aus dem Bundesgesetz übernommen. Sie sind aus meiner Sicht allerdings unbestimmt in den Begrifflichkeiten. Das beginnt mit der Begrifflichkeit der Naturkatastrophe. Da haben wir, Herr Reul, immer wieder den Streit: Wie definieren Sie rechtlich und juristisch eigentlich die aktuelle Katastrophe, die aktuelle Pandemie?

Ich finde die Regelungen aber auch nicht sonderlich durchdacht. Sie wollen ja, dass die Landesregierung die Regelungen in einer Verordnung trifft. Wir haben den Versuch unternommen, mit einem Änderungsantrag einen Vorschlag vorzulegen, wie man es gesetzlich regeln könnte. Denn diese Regelungen gehören ins Gesetz, finde ich. Ich weiß, dass es vielleicht nicht perfekt ist, Frau Freimuth. Aber es ist der Versuch, eine gesetzliche Regelung zu schaffen. Schade, dass Sie das nicht versucht haben! Denn so, wie es jetzt vorgesehen ist, ist es aus meiner Sicht einfach ungenügend.

(Beifall von Josefine Paul [GRÜNE] – Vereinzelt Beifall von der SPD)

Der zweite inhaltliche Punkt, den ich hier benennen will, sind die Wahlkreise. Der Kern des Gesetzes ist natürlich der Zuschnitt der Landtagswahlkreise. Deren Zuschnitt steht immer unter besonderer Beobachtung – schon allein deshalb, weil der Vorwurf leicht und schnell im Raum steht, dass Regierungsfraktionen ihre Wahlkreise so zusammenschneiden, dass sie selbst die besten Chancen haben, in den Wahlkreisen direkt gewählt zu werden.

Um solchen Vorwürfen vorzubeugen, wäre es doch wichtig gewesen, die Gespräche zu führen.

(Zuruf von Ralf Witzel [FDP])

– Das ist gar nicht der Vorwurf, den ich hier erhoben habe. Ich habe gesagt: Solche Vorwürfe stehen schnell im Raum.

(Zuruf von Ralf Witzel [FDP])

Deshalb wäre es wichtig gewesen – Herr Witzel, ich kann Sie leider nicht verstehen; das ist vielleicht auch besser so –, darüber zu sprechen.

Aber in einem Punkt – das betrifft Münster – scheint mir dieser Vorwurf zumindest nicht ganz abwegig zu sein, wenn man sich anschaut, wie hier in Münster die Wahlkreise zugeschnitten wurden. Deshalb stellen wir auch zu Münster – und auch zu Wuppertal und zu Hennef – noch einmal eigene Änderungsanträge.

Ich will aber auch noch einmal einen Ausblick machen. Wenn wir hier gleich über das Landeswahlgesetz abstimmen – wir werden uns als Grüne übrigens enthalten –, dann wird das nicht die letzte Debatte über das Landeswahlgesetz gewesen sein. Denn wir werden uns weiter damit beschäftigen müssen.

Aufgrund der aktuellen Wahlprognosen und auf Grundlage des Kommunalwahlergebnisses im letzten Jahr ist relativ klar, dass der nächste Landtag anwachsen wird. Wir haben es ausrechnen lassen; wir haben es auch noch einmal extern ausrechnen lassen. Der nächste Landtag wird nach den aktuellen Prognosen wahrscheinlich auf 225 bis 315 Abgeordnete anwachsen.

Das heißt: Wir werden über das Thema „Wahlrechtsreform“ hier noch einmal sprechen müssen. Wir werden darüber sprechen müssen, ob wir nicht zum Beispiel zu einer maßvollen Reduzierung von Landtagswahlkreisen oder zu einer Veränderung des Verhältnisses zwischen Direktwahlkreisen und Listenplätzen kommen müssen.

Deshalb als Ausblick: Nach dem Landeswahlgesetz ist vor dem Landeswahlgesetz.

Ich freue mich auf die weiteren Diskussionen zu diesem Thema. – Vielen Dank.

(Beifall von den GRÜNEN)

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Schäffer/Mostofizadeh: Ein Stufenplan zur transparenten Kommunikation und nachhaltigen Pandemiebewältigung

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Schäffer/Mostofizadeh:

Ein Stufenplan zur transparenten Kommunikation und nachhaltigen Pandemiebewältigung

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Für den weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie hat die GRÜNE Landtagsfraktion NRW das Positionspapier „Pandemie konsequent bekämpfen: Mit einem Stufenplan klar kommunizieren und gemeinsam handeln“ erarbeitet. Dazu erklären Verena Schäffer, Fraktionsvorsitzende und Mehrdad Mostofizadeh, Sprecher für Gesundheit, Soziales und Arbeit der GRÜNEN Fraktion im Landtag NRW:

Verena Schäffer: „Die Pandemie wird uns noch viele Wochen und Monate begleiten. Wir müssen die Anzahl der Neuinfektionen weiter senken und damit die Krankenhäuser und Gesundheitsämter entlasten. Das wichtigste Ziel ist, Menschenleben zu schützen. Wir brauchen endlich ein Konzept, das langfristiger angelegt ist als die Zeit zwischen den Konferenzen der Kanzlerin und der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten. Wir GRÜNE haben daher einen Stufenplan entwickelt, in dem festgelegt ist, bei welchen Inzidenzwerten welche einschränkenden Maßnahmen greifen bzw. bei sinkenden Inzidenzwerten auch wieder gelockert werden können. Ein Stufenplan schafft Klarheit und Verlässlichkeit und damit auch Vertrauen in die Maßnahmen.

Konsequenter Infektionsschutz bedeutet auch, die Beschlüsse der letzten Ministerpräsidentenkonferenz zum Thema Homeoffice nun auch für die Landesverwaltung NRW umzusetzen. Hier ist Ministerpräsident Armin Laschet in der Pflicht. Zudem fordern wir in unserem Papier die Schaffung einer Hotline, bei der sich Personen melden können, deren Arbeitgeber sich nicht an die Homeoffice-Regelung halten.“

Mehrdad Mostofizadeh: „Wir wollen, dass die Impfkampagne nach den massiven Enttäuschungen der letzten Tage trotzdem ein voller Erfolg wird. Dazu muss offen, respektvoll und empathisch für die Vorteile der Impfung geworben und klar über mögliche Nebenwirkungen sowie den genauen Ablauf informiert werden. Hierzu bedarf es einheitlicher und nachvollziehbarer Regelungen, die zwischen Land, Kommunen und den Partnern aus der Medizin abgestimmt und kommuniziert werden. Für die schnelle Impfung von über 80-Jährigen, die zu Hause leben, braucht es zudem Impfbusse oder Logistikkonzepte, die Land und Kommunen gemeinsam tragen und verantworten.

Um langfristige Strategien zu entwickeln, fordern wir zudem einen Pandemierat. Neben den Expertinnen und Experten sollen daran auch gesellschaftliche Akteure und Landtagsabgeordnete aller Fraktionen teilnehmen. Denn die Interessen der Gesellschaft müssen ebenso wie das Landesparlament viel stärker in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden als bisher. Dazu genügt der hinter verschlossenen Türen tagende Expertenrat der Landesregierung nicht.“

Das Positionspapier finden Sie hier: 21-01-22 Positionspapier Pandemie konsequent bekämpfen

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Unser gemeinsames Ziel ist die Pandemiebekämpfung – Unterrichtung der Landesregierung zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie

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Unser gemeinsames Ziel ist die Pandemiebekämpfung

Rede zur Unterrichtung der Landesregierung zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie

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Verena Schäffer (GRÜNE): Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn Sie alle die Idee einer Sondersitzung in der kommenden Woche, also eine Woche vor der MPK, so gut finden, sollten wir vielleicht gemeinsam darüber nachdenken, uns tatsäch-lich nächste Woche noch einmal zu treffen, um die Überlegungen und die Linie der NRW-Regierung vor der MPK zu hören. Das wäre eine gute Sache. Ich würde mich freu-en, Sie nächste Woche hier noch einmal zu sehen.

(Beifall von den GRÜNEN)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, zur Bewältigung der Coronakrise ist die Kommunikati-on mindestens genauso wichtig wie die Maßnahmen selbst. Herr Löttgen, ich habe in den letzten Tagen ziemlich viele Widersprüche dieser Landesregierung gehört. Dafür muss ich auch nicht zurück zum August letzten Jahres gehen und irgendwelche Wider-sprüche konstruieren.

Die letzten sieben Tage waren aus meiner Sicht ein einziges Kommunikationschaos. Damit verspielt diese Landesregierung Vertrauen und Akzeptanz in der Bevölkerung. Das ist wirklich fatal für die Maßnahmen, die wir tatsächlich brauchen.

(Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der SPD)

Die Krönung ist die Einführung des eingeschränkten Bewegungsradius über Nacht. Den Menschen im Kreis Höxter, im Kreis Minden-Lübbecke, im Oberbergischen Kreis und im Kreis Recklinghausen am Montagabend – die Mail ist um 22:18 Uhr herausgegangen – eine Landesverordnung vor die Füße zu kippen, die ihre Bewegungsfreiheit zwei Stun-den später massiv einschränkt, ist wirklich unfassbar. Damit nehmen Sie billigend in Kauf, dass Vertrauen in die Verlässlichkeit staatlichen Handelns massiv untergraben wird.

Was heißt das denn für die Kommunen, die nahe am einer 7-Tage-Inzidenz von 200 sind? Momentan liegen uns die wirklichen Zahlen noch nicht vor. Der RKI-Chef sagt, dass wir um den 17. Januar 2021 herum ein genaueres Bild darüber haben werden, wie die Lage tatsächlich ist.
Natürlich will ich anderes hoffen, und wir wissen es noch nicht; aber ich kann mir vorstel-len, und es kann gut sein, dass in den nächsten Tagen und Wochen noch mehr Kom-munen die 200er-Grenze erreichen werden.

Ich frage mich: Was ist denn dann mit ihnen? Dürfen sie sich auch auf eine Landesver-ordnung über Nacht einstellen?
Arbeiten Sie endlich mit den Kommunen und nicht gegen sie!

(Beifall von den GRÜNEN)

Vielleicht sollten Sie auch erst einmal koalitionsintern Ihre Position klären. Armin Laschet hat uns auf seiner Pressekonferenz am 5. Januar 2021 nach der MPK, also letzte Woche, noch erklären wollen, dass man die Maßnahme der Bewegungseinschränkungen bräuchte, um die Ausflüge in den Schnee nach Winterberg zu unterbinden.

Letzte Woche gab es übrigens genau eine Stadt, nämlich Herne, die bei einem Inzi-denzwert von 200 lag. Die Hernerinnen und Herner sollten also dafür sorgen, dass der Skitourismus in Winterberg unterbunden wird. Wie absurd ist das denn? – Das war die Position in der letzten Woche.
Herr Stamp, Sie haben dann am Sonntag bei „Westpol“ die Wirksamkeit dieser Maßnah-me und die Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahme infrage gestellt. Sie haben sich ge-fragt, ob diese Maßnahme vor Gericht standhalten würde.

Um es klar zu sagen: Ich bin inhaltlich voll auf Ihrer Linie. Ich persönlich bin absolut Ihrer Meinung. Aber warum haben Sie diese Verordnung denn dann nicht verhindert? Sie kommentieren das Ganze ja nicht vom Spielfeldrand aus, sondern sind der stellvertreten-de Ministerpräsident.
(Dr. Joachim Stamp, Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration: Ge-nau!)

Dann erwarte ich, ehrlich gesagt, auch ein bisschen mehr.

(Beifall von den GRÜNEN)

Das Kommunikationschaos betrifft in der Tat auch die Regelung zu den Kontaktbe-schränkungen. Sie haben auch in der Debatte gerade wieder mit Mixed Messages gear-beitet. Wir Grüne wollen auch nicht, dass Polizei oder Ordnungskräfte zu Hause klingeln und die Teilnehmer von Kaffeekränzchen überprüfen.

Genauso wie die Menschen in diesem Land erwarten wir aber eine klare Kommunikation. In Nordrhein-Westfalen gibt es zu Recht Kontaktbeschränkungen für den öffentlichen Raum, die in der Coronaschutzverordnung geregelt sind. Für den privaten Bereich gilt die wichtige und dringende Empfehlung, sich daran zu halten. Genau so muss man das dann aber auch kommunizieren.

(Armin Laschet, Ministerpräsident: Das haben wir!)

– Nein, das haben Sie nicht. Das haben Sie gerade schon wieder nicht getan.

(Armin Laschet, Ministerpräsident: Doch!)

Sie haben gesagt, es gebe diese Kontaktbeschränkungen. Nein, für den öffentlichen Raum stehen sie in der Verordnung, für den privaten Raum nicht.
(Armin Laschet, Ministerpräsident: Natürlich!)

Es ist aber die dringende Bitte an alle Bürgerinnen und Bürger, sich auch im privaten Raum an die Kontaktbeschränkungen zu halten.
Diese Kommunikation stiftet bei den Menschen Verwirrung. Das ist fatal. Damit verspie-len Sie auch die Solidarität der Menschen untereinander.
Dass sich die MPK letzte Woche auf weitere Maßnahmen verständigt hat, ist angesichts der hohen Anzahl von Sterbefällen und von Intensivpatienten richtig.

Doch während die MPK das öffentliche Leben quasi stillgelegt, hat sie einen Bereich wiederholt nicht angetastet, nämlich das Arbeitsleben und die Arbeitswege.

Herr Löttgen, Sie haben uns gerade noch einmal sehr anschaulich erklärt – vielen Dank dafür –, warum die Reduzierung von Kontakten so wichtig ist. Es ist doch absurd, wenn Kinder sich nur noch mit einem Freund auf dem Spielplatz treffen dürfen, ihre Eltern aber gleichzeitig auf dem Weg zur Arbeit im vollen Regional-Express quer durch Nordrhein-Westfalen fahren.

Aus meiner Sicht bestehen viele Arbeitgeber nach wie vor völlig ohne Not weiterhin auf einer Präsenzpflicht.

(Zuruf von Dietmar Brockes [FDP])

Ich finde, dass uns auch die Zahlen hier noch einmal zu denken geben sollten.
Während nach Beginn der Coronakrise rund 27 % der Menschen von zu Hause aus ge-arbeitet haben, waren es im November nur noch 14 % – und das, obwohl das Infektions-risiko in der Zwischenzeit deutlich zugenommen hat.
Deshalb, Herr Laschet, erwarten wir als Grüne hier eine Klarstellung vor der nächsten MPK. Wo immer es möglich ist – ich weiß, dass es nicht überall möglich ist; in vielen Be-rufen geht das aber –, sollten Menschen im Homeoffice arbeiten. Das darf nicht die Aus-nahme sein. Es muss in der Pandemie die Regel sein. Das ist auch eine Frage des Ar-beitsschutzes und der Fürsorgepflicht von Arbeitgebern für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

(Beifall von den GRÜNEN und Thomas Kutschaty [SPD])

Herr Laschet, diese Landesregierung könnte als gutes Beispiel vorangehen. Da, wo es möglich ist, müssen die Beschäftigten in Ministerien, in Behörden und in Universitäten ebenfalls von zu Hause aus arbeiten. Bislang besteht in den Landesbehörden da offen-bar ein Flickenteppich. Die einzelnen Ministerien legen ihre eigenen Homeoffice-Regeln fest. Es gibt keine einheitliche Regelung.

(Ministerpräsident Armin Laschet: Klar!)

– Im elften Monat der Pandemie ist Ihnen das klar?

(Ministerpräsident Armin Laschet: Wieso denn?)

Ich finde es völlig unverständlich, dass die Landesregierung nicht vorgibt, dass die Men-schen, die zu Hause arbeiten können, das auch tun sollen. Denn die Aufforderung „stay at home“ muss nicht nur für den privaten Bereich, sondern auch für die Arbeitswelt gel-ten.

(Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der SPD)

Klar ist auch – ich finde es wichtig, das noch einmal zu betonen, weil ich oft das Gefühl habe, dass das in den Debatten untergeht –, dass Homeoffice keine Form der Kinderbe-treuung ist.

(Vereinzelt Beifall von der SPD)

An Kinder, die bei Videokonferenzen im Hintergrund herumlaufen, haben sich inzwi-schen alle gewöhnt. Es ist auch für alle sehr nett, mal den Nachwuchs der Kolleginnen und Kollegen zu sehen – außer für die Eltern, die Kinderbetreuung und Arbeiten in Ein-klang bringen müssen. Das ist purer Stress. Ich weiß, wovon ich da spreche.

(Beifall von den GRÜNEN)

Seit gestern müssen die Eltern von Schulkindern wieder im Nebenjob als Lehrkraft agie-ren.
Auch für Kinder und Jugendliche – auch das muss noch einmal klargestellt werden – ist das eine enorme Belastung.
Deshalb ist die Politik aufgefordert, Familien zu entlasten.

Dazu gehört auch das Thema „Kinderkrankentage“. Wenn die Kinderkrankentage hier in Nordrhein-Westfalen nicht genommen werden können, weil die Kitas offiziell geöffnet sind, bedarf es einer Klarstellung. Es muss klar sein, dass die Kinderkrankentage auch für Eltern in Nordrhein-Westfalen gelten, wenn sie ihre Kita-Kinder nicht in die Kita brin-gen können.

(Beifall von Josefine Paul [GRÜNE])

Ja, das bedeutet eine große Belastung für die Familien. Trotzdem ist es der einzig ver-nünftige Weg, die Schulen in dieser Situation nicht zu öffnen.
Aber jetzt rächt sich wieder einmal, dass das Schulministerium die Osterferien, die Som-merferien und die Herbstferien nicht genutzt hat. Jetzt reihen sich auch noch die Weih-nachtsferien in die „Ferien der verpassten Chancen“ ein.

Bei Ihnen, Frau Gebauer, regiert das Prinzip „Hoffnung“. Vorausschauende Politik scheint für Sie ein Fremdwort zu sein. Dass Sie letzte Woche ernsthaft den Präsenzun-terricht ab Februar ankündigt haben, hat nicht nur uns, sondern wohl ziemlich jeden in diesem Land irritiert. Inzwischen mussten Sie auch schon zurückrudern.

Am besten wäre es, Sie würden jetzt auch noch Ihren völlig unzureichenden Stufenplan überarbeiten. Denn die Schulträger und auch die Schulen brauchen verlässliche Rah-menbedingungen. Sie brauchen Freiheit zur Umsetzung.

Wir haben zahlreiche Rückmeldungen aus Kommunen bekommen, die mit diesen Vor-gaben – Stichwort „schulscharfe Entscheidung in Kommunen mit einer Inzidenz über 200“ – nicht arbeiten können.

Die nächste schulpolitische Baustelle ist auch schon absehbar. Es braucht aus unserer Sicht sehr bald ein Konzept, wie Prüfungen in diesem Jahr abgelegt werden sollen. Fak-tisch haben wir schon ein Kurzschuljahr. Die Schülerinnen und Schüler, die Eltern und die Lehrkräfte erwarten eine verlässliche Aussage seitens der Schulministerin. Sorgen Sie wenigstens hier für Klarheit und für Verlässlichkeit!

(Beifall von den GRÜNEN)

Ja, die Impfungen sind ein wichtiger Lichtblick. Neben der Akzeptanz der einzelnen Schutzmaßnahmen brauchen wir auch Vertrauen in den Impfstoff. Wir brauchen Aufklä-rung. Wir brauchen Informationen. Deshalb kann ich nicht so richtig nachvollziehen, wa-rum die Landesregierung bislang keine breit angelegte Impfkampagne durchgeführt hat. Eigentlich sollte doch an jeder Litfaßsäule und jeder Bushaltestelle in diesem Land ein Plakat mit Werbung fürs Impfen hängen. Das sollte man eigentlich erwarten können.

Dass Sie jetzt auch noch den Cheflobbyisten von Sanofi in der Staatskanzlei eingestellt haben, stärkt aus meiner Sicht nicht gerade das Vertrauen der Menschen in den Impf-stoff.

(Beifall von den GRÜNEN)

Ich sehe das tatsächlich so. Als ich das gestern Abend gelesen habe – ich bin Abonnen-tin der „WAZ“ und habe es gestern Abend im E-Paper gelesen –, war mein erster Gedan-ke, dass Sie damit wirklich völlig ohne Not Verschwörungsmythen Vorschub leisten. Das finde ich total gefährlich. Wie man auf diese Idee kommen kann, ist mir wirklich unbe-greiflich. Wenn sich die Berichterstattung bewahrheitet, müssen Sie diese Einstellung aus meiner Sicht auch rückgängig machen, Herr Laschet.

Ich möchte Sie auch noch in einer anderen Sache ansprechen, Herr Laschet. Ich habe mir letzten Samstag den Neujahrsempfang der CDU angeschaut.

(Zuruf von der CDU: Ui!)

– Natürlich. – Ich fand ihn, ehrlich gesagt, relativ … Okay; ich enthalte mich jeglicher Be-wertung. Das können wir vielleicht bilateral klären. Für die Debatte ist es auch nicht wich-tig. Ein Punkt hat mich allerdings total geärgert. Sie haben nämlich der Opposition vor-geworfen, sie würde sich ihrer Verantwortung verweigern und Woche für Woche nur das Negative suchen. Ich finde, dass dieser Vorwurf …

(Zurufe von der CDU)

Herr Hovenjürgen – ich bekomme dieses Mitgliederblättchen der CDU; ich weiß gar nicht, wie ich auf den Verteiler gekommen bin – hat es im Übrigen auch schon im Dezember dort geschrieben. Sie scheinen also auch dieselben Redenschreiber zu haben. Aber Schwamm drüber!

Dieser Vorwurf ist dreist. Er ist populistisch. Im Gegenteil ist es doch so, dass es, wenn wir Forderungen stellen und Vorschläge machen – in einer parlamentarischen Demokra-tie ist es im Übrigen unsere Aufgabe als Opposition, dass wir Vorschläge machen und Kritik üben –, Herr Löttgen, hier immer direkt als Majestätsbeleidigung abgekanzelt wird.

(Bodo Löttgen [CDU]: Sie kritisieren ja nur! Sie machen ja keine Vorschläge!)

Das geht so nicht.

(Zuruf von der SPD: So ist es!)

Herr Laschet, Sie haben vorhin gesagt, dass es gut gewesen wäre, die Debatte vor der nächsten MPK zu führen. Dann erwarte ich, ehrlich gesagt, auch, dass Sie uns in der nächsten Woche tatsächlich vor der nächsten MPK informieren, dass Sie unsere Forde-rungen und Vorschläge dann auch überdenken und dass Sie sie auch mitnehmen.

Ich kann Ihnen für uns als Grüne versprechen, dass wir unserer Linie treu bleiben wer-den. Als Opposition werden wir auch weiterhin kritisch Politik machen. Aber wir werden auch in der Sache konstruktiv arbeiten. Denn unser gemeinsames Ziel ist die Pande-miebekämpfung. Daran werden wir hier weiterhin arbeiten. – Vielen Dank.

(Beifall von den GRÜNEN)

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Banaszak/Neubaur/Paul/Schäffer: Lockdown verantwortungsbewusst weiterführen

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Lockdown verantwortungsbewusst weiterführen

Banaszak/Neubaur/Paul/Schäffer: Lockdown verantwortungsbewusst weiterführen

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Bund und Länder haben angesichts der nach wie vor hohen Infektionszahlen heute weitere Maßnahmen zum Infektionsschutz beschlossen. Hierzu erklären Verena Schäffer und Josefine Paul, Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Landtag NRW, sowie Mona Neubaur und Felix Banaszak, Vorsitzende der GRÜNEN NRW:

„Die Infektionslage ist mit Blick auf die hohe Zahl der Intensivpatienten und Todesfälle weiterhin dramatisch. Allen muss klar sein, dass sich die Situation nicht kurzfristig verändern lassen wird. Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren, wird über einen längeren Zeitraum noch notwendig bleiben, um Menschenleben zu schützen. Die Verlängerung der kontaktbeschränkenden Maßnahmen ist daher folgerichtig. Selbstverständlich müssen die von den weiter andauernden Einschränkungen wirtschaftlich Betroffenen etwa im Einzelhandel schnell, verlässlich und ausreichend entschädigt werden.

Es war auch schon im Dezember absehbar, dass das Infektionsgeschehen bis zum 10. Januar nicht ausreichend eingedämmt werden kann. Die mutierte Variante des Corona-Virus erfordert zudem, jetzt weitere Schutzmaßnahmen zu ergreifen, die dessen Ausbreitung und damit eine ‚zweite Pandemie‘ in der Pandemie verhindern. Umso bedauerlicher ist, dass die Zeit wieder einmal nicht genutzt wurde, rechtzeitig Konzepte zum Umgang mit dem Virus zu entwickeln und mit den vor Ort Verantwortlichen abzustimmen.

So sind Ministerpräsident Laschet und seine Schulministerin Gebauer allen Beteiligten nach wie vor ein Konzept für das weitere Vorgehen im Bereich Schule schuldig. Die Weihnachtferien wurden ebenso wie schon zu vor die Oster-, Sommer- und Herbstferien offenbar nicht genutzt, einen wissenschaftsbasierten Stufenplan für die Schulen zu erarbeiten. Die Überlegungen von Ministerin Gebauer sind unzureichend, die Vorgabe von schulscharfen und viel zu hoch angesetzten Inzidenzwerten ist für die Kommunen nicht umsetzbar und auch nicht sinnvoll. Die Schulträger und Schulen brauchen bei verlässlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen die Möglichkeit, innerhalb dieses Rahmens im Weiteren lageangepasst Unterricht gestalten zu können. Klar ist schon jetzt, dass wir auch im Februar nicht wieder zu einem vollständigen Präsenzunterricht zurückkehren werden können. Deshalb appellieren wir an Ministerin Gebauer, den Januar zu nutzen, um endlich Konzepte für Wechselmodelle landesweit an den Schulen vorzubereiten. Zudem brauchen Schüler*innen, Auszubildende und Studierende ebenso wie Lehrkräfte Planungssicherheit, das erfordert auch langfristige Konzepte für Prüfungsformate und -pläne.

Kinder und Jugendlichen, die für ihre Entwicklung oder aus Gründen des Kinderschutzes besondere Bedarfe haben, dürfen nicht aus dem Blick geraten und brauchen Angebote und Begleitung. Die Kinderschutz und Jugendhilfe müssen auch im Shutdown gewährleistet und erreichbar sein.

Die vereinbarten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von in Hotspots lebenden Menschen halten wir nicht für ausreichend zielgerichtet und daher für unverhältnismäßig. Dadurch wird der gewünschte Effekt nicht erreicht werden. Stattdessen wäre es nötig, vermeidbare Mobilität im Arbeitsleben weiter einzuschränken. Dazu braucht es endlich ein Recht auf Homeoffice, überall wo es möglich ist. Das Land sollte mit gutem Beispiel vorangehen und endlich einheitliche Bedingungen für die Bediensteten in der Landesverwaltung und den nachgeordneten Behörden schaffen.

Darüber hinaus braucht Nordrhein-Westfalen eine Impfstrategie, die mit den Kommunen abgestimmt ist und die Menschen umfangreich und zügig informiert. Eine hohe Impfbereitschaft kann nur über Information und Aufklärung gelingen. Dazu muss das Land eine umfassende Aufklärungskampagne auf den Weg bringen. Die Informationen müssen gerade auch Menschen mit Einschränkungen umfassend erreichen. Darüber hinaus ist auch die niedrige Impfbereitschaft unter Pflegekräften in den Altenpflegeeinrichtungen mehr als bedenklich. Hier muss Gesundheitsminister Laumann deutlich mehr Einsatz zeigen, indem er offensive und passgenaue Informationsangebote entwickelt.

Das Land muss endlich zu einem abgestimmten Krisenmanagement kommen. Dazu muss Ministerpräsident Laschet nun auch den Krisenstab der Landesregierung einberufen, um die Kommunikation mit den kommunalen Behörden zu verbessern.“

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